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Der CHG-Kitzel: Warum Patienten lachen, obwohl sie nervös sein sollten

Es gibt diesen Moment, kurz bevor einem die Ernsthaftigkeit der Operation bewusst wird, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Man liegt auf einem schmalen Vorbereitungsbett, starrt an die Deckenplatten und lauscht dem Piepen des Monitors, das in dem stillen Raum viel zu laut klingt. Man weiß, dass man nervös sein sollte. Das Gehirn signalisiert einem, dass es sich um etwas Wichtiges handelt. Doch dann schwingt die Tür auf, und eine Krankenschwester kommt herein, mit einer Packung kleiner, weißer Tupfer an Stäbchen und einer Schale mit klarer Flüssigkeit.

Und dann setzt das Gefühl ein.

Der „Küchenschwamm“-Effekt

Wer schon einmal operiert wurde, kennt das Gefühl genau. Die Krankenschwester taucht den Schwamm in die kühle Lösung und streicht damit zum ersten Mal über die Haut. Es ist nicht der stechende Schmerz einer Nadel oder das dumpfe Ziehen einer Blutdruckmanschette. Es ist etwas viel Seltsameres: ein nasses, kaltes, glitschiges Gefühl, als würde einem jemand mit einem klatschnassen Küchenschwamm die Achselhöhle auswischen.

Es ist ein so deplatziertes Gefühl in der sterilen, hochtechnisierten Umgebung eines Krankenhauses, dass es eine regelrechte kognitive Dislokation auslöst. Man steht kurz vor einem schwerwiegenden medizinischen Eingriff, und doch registriert das Gehirn die vertraute Haptik des sonntäglichen Abwaschens. Das Chlorhexidingluconat (CHG) ist glitschig, fast seifig, und da es auf Alkoholbasis ist, verdunstet es schnell und hinterlässt einen eisigen Schleier. Es fühlt sich nicht wie Medizin an, sondern wie Hausarbeit.

Der eiskalte Weckruf

Die Temperatur der Lösung trägt sicherlich zur Dramatik bei. CHG wird fast immer bei Zimmertemperatur aufgetragen, was sich im Kontrast zur Wärme der nervösen Haut eiskalt anfühlt. Das erste Auftragen auf Brust oder Bauch löst meist ein scharfes Einatmen aus. Für einen kurzen Moment weicht die Nervosität vor der Operation einer instinktiven Reaktion auf die Kälte.

Das ist meist der Moment, in dem sich Patient und Krankenschwester in die Augen schauen. Der Patient, der den Drang, sich zu winden, unterdrückt, stößt oft ein nervöses, halbes Lachen aus. Die Krankenschwester lächelt.

„Ich weiß“, sagen sie meistens. „Es ist kalt. Und komisch, nicht wahr?“

Der unbeabsichtigte Eisbrecher

Und das ist der Zauber des CHG-Kitzelns. Es ist der große Gleichmacher.

Die OP-Vorbereitung ist ein ernstes Ritual. Die Einverständniserklärungen, die Ausweiskontrolle, die Markierung des Operationsfeldes – alles ist von großer Bedeutung. Doch das Auftragen des CHG-Desinfektionsmittels wirkt fast kindisch. Es fällt schwer, tapfer zu bleiben, wenn einem jemand akribisch mit einem Schwamm am Stäbchen den Bauchnabel „wäscht“, während man frierend und schutzlos daliegt.

Dieses bizarre Gefühl erzwingt einen Moment der Menschlichkeit. Es löst die Anspannung nicht durch Ablenkung des Patienten, sondern indem es ihm erlaubt, die Merkwürdigkeit der gesamten Situation anzuerkennen. Es verwandelt die Interaktion von einer sterilen Transaktion („Bitte unterschreiben Sie hier“) in ein gemeinsames, etwas skurriles Erlebnis.

Die Wissenschaft hinter der Sensation

Der Grund für dieses ungewöhnliche Ritual ist natürlich durchaus ernst. CHG ist ein starkes Antiseptikum, das sich an die Haut bindet und eine anhaltende antimikrobielle Wirkung entfaltet. Das seifige Gefühl entsteht durch seine chemische Struktur, die die Zellmembranen von Bakterien zerstört. Die schwammartige Textur des Applikators ist beabsichtigt: Der Schaum erzeugt Reibung, wodurch das CHG in Hautfalten und Haarfollikel eindringen kann, wo sich Bakterien verstecken. Dadurch wird das Risiko von Wundinfektionen nach Operationen drastisch reduziert.

Doch für den Patienten spielt die Wissenschaft in diesem Moment keine Rolle. Was zählt, ist das Gefühl.

Das gemeinsame Lächeln

Nach der Desinfektion tupft die Krankenschwester Sie mit einem sterilen Handtuch trocken (oder lässt den Alkohol an der Luft trocknen, was sich noch kälter anfühlt). Das Operationsfeld ist nun sauber, orangefarben und bereit für den Schnitt. Doch irgendetwas hat sich im Raum verändert.

Das Eis ist gebrochen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Absurdität des „Schwammbads“ hat die Stimmung aufgelockert. Der Patient ist zwar immer noch nervös, aber nun auch etwas amüsiert. Ihm wurde wieder bewusst, dass sich auf der anderen Seite des sterilen Feldes ein Mensch befindet, jemand, der wahrscheinlich schon tausende „Schwammbäder“ gegeben hat und genau weiß, wie albern sich das anfühlt.

Wenn Sie sich also das nächste Mal auf eine Behandlung vorbereiten und der kalte, nasse Schwamm Ihre Haut berührt, unterdrücken Sie Ihr Lachen nicht. Ihr Körper erinnert Sie damit daran, dass selbst in den ernstesten Momenten ein wenig Alltägliches – und ein leichtes Kitzeln – den entscheidenden Unterschied machen können.

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